{"id":596,"date":"2017-12-18T20:59:25","date_gmt":"2017-12-18T19:59:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pitknorr.de\/?p=596"},"modified":"2017-12-18T22:59:11","modified_gmt":"2017-12-18T21:59:11","slug":"mein-genialer-freund","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.pitknorr.de\/?p=596","title":{"rendered":"Mein genialer Freund"},"content":{"rendered":"<h4>Rede zur Er\u00f6ffnung der <a href=\"http:\/\/caricatura-museum.de\/robert-gernhardt.html\" target=\"_blank\">Ausstellung komischer Zeichnungen von Robert Gernhardt<\/a><br \/>\nAm 14. Dezember 2017 im Caricatura-Museum Frankfurt<\/h4>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-618\" title=\"PitKnorr_caricatura_Gernhardt\" src=\"http:\/\/www.pitknorr.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/PitKnorr_caricatura_Gernhardt.jpg\" alt=\"PitKnorr_caricatura_Gernhardt\" width=\"480\" height=\"320\" srcset=\"http:\/\/www.pitknorr.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/PitKnorr_caricatura_Gernhardt.jpg 720w, http:\/\/www.pitknorr.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/PitKnorr_caricatura_Gernhardt-300x199.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3><\/h3>\n<h3><\/h3>\n<h3><\/h3>\n<h3><\/h3>\n<h3><\/h3>\n<h3><\/h3>\n<h3><\/h3>\n<h3><\/h3>\n<h3><\/h3>\n<h3>Poeten, die nicht zeichnen k\u00f6nnen,<\/h3>\n<h3>sollten&#8217;s besser lassen.<\/h3>\n<h3>Das gilt f\u00fcr G\u00fcnter Kunerten,<\/h3>\n<h3>das gilt f\u00fcr G\u00fcnter Grassen.<\/h3>\n<h3>Das gilt f\u00fcr all die Kritzelnden,<\/h3>\n<h3>die zagen wie die forschen,<\/h3>\n<h3>f\u00fcr Friederiken Mayr\u00f6ckern<\/h3>\n<h3>als auch f\u00fcr Gerald Zschorschen.<\/h3>\n<p><b><\/p>\n<h3>Ein Maler, der nicht zeichnen kann<\/h3>\n<h3>Und&#8217;s\u00a0tut, der sei verworfen.<\/h3>\n<h3>Das zielt auf Paule Wuderlich<\/h3>\n<h3>Und J\u00f6rge Immendorfen.<\/h3>\n<h3>Auf Fettingen und Salomen,<\/h3>\n<h3>auf sie und ihre Sachen.<\/h3>\n<h3>Und eine, die&#8217;s noch schlimmer treibt.<\/h3>\n<h3>Sie hei\u00dft Elvira Bachen.<\/h3>\n<p><b><\/p>\n<h3>Robert Gernhardt kommt in diesem Gedicht nicht vor. Das ist kein Wunder, denn 1. hat\u00a0 er es selber geschrieben und 2. ist er nat\u00fcrlich ein gro\u00dfartiger Zeichner, wie diese sch\u00f6ne Ausstellung ein weiteres Mal f\u00fcr alle Welt sichtbar beweist. Ich hoffe sehr, dass alle Welt kommt, um sie sich anzuschauen.<\/h3>\n<h3>Es geht hier und heute aber nicht um Gernhardts Lyrisches Werk, was ich ein bisschen bedaure, denn ich h\u00e4tte Ihnen gerne stundenlang seine gro\u00dfartigen Verse und von diesen vor allem die polemischen wie eben und die vielen komischen vorgelesen.\u00a0 Heute geht es\u00a0 um seine Zeichnungen.<\/h3>\n<h3>Wir alle wissen von der sagenhaften Doppel- ja Vielfachbegabung des leider so fr\u00fch verstorbenen K\u00fcnstlers. Und ich darf sagen, dass ich vielleicht noch ein bisschen mehr wei\u00df, denn er, Bernd Eilert und ich haben an die 30 Jahre lang als Autorenteam zusammengearbeitet. Dar\u00fcber hinaus waren wir gute Freunde.<\/h3>\n<h3>Ich bitte also um Verst\u00e4ndnis\u00a0 daf\u00fcr, dass das, was ich heute einleitend zu dieser Ausstellung zu sagen habe, etwas pers\u00f6nlicher ger\u00e4t, als es ein Fachvortrag etwa zum Thema \u201ekomische Zeichnung und ihre Folgen\u201c geworden w\u00e4re. Au\u00dferdem ist dazu das allermeiste auch schon gesagt. Wenn nicht von F.W. Bernstein, dem Studienfreund\u00a0 und Kunstverb\u00fcndeten von Robert, im gro\u00dfem Buch der Zeichnerei, dann nat\u00fcrlich von Gernhardt selber. U.a. in seinen <span style=\"text-decoration: underline;\">\u201e10 S\u00e4tzen betreffend Komik, komische Zeichnung, bildende Kunst und Literatur\u201c.<\/span><\/h3>\n<h3>Wie so h\u00e4ufig in seinen theoretischen Schriften wettert er mit Inbrunst gegen die Dumpf-Abstrakten der Nachkriegszeit, bricht \u2013vor allem in seiner polemischen Suada \u201eder letzte Zeichner\u201c Lanze um Lanze f\u00fcr die gegenst\u00e4ndliche Malerei und schreibt schlie\u00dflich zur komischen Zeichnung:<\/p>\n<p><em>\u201eDie komische Zeichnung <span style=\"text-decoration: underline;\">will <\/span>immer irgendwas. Sie will Augen \u00f6ffnen f\u00fcr, Partei ergreifen gegen, Stellung nehmen zu, aufmerksam machen auf, lachen machen \u00fcber. Hier, jetzt und gleich. Deshalb musssie rasch produziert und schnell unter die Leute gebracht werden. Noch der viel-, doppel- und zweideutigste Witz verfolgt eindeutig eine Absicht, meist eindeutige Absichten. \u2013 Die bildende Kunst will nat\u00fcrlich auch irgendwas. Aber was will die bildende Kunst eigenlich.?\u00a0 Noch der unbedarfteste abstrakte oder fotorealistische Pinselschwinger tritt mit dem<\/em> <em>Anspruch einer vieldeutigen Aussage an. Um so schlimmer f\u00fcr ihn, wenn er eindeutig Schei\u00df baut.\u201c<\/em><\/h3>\n<h3>Sie sehen schon, es bereitet eine gewisse Freude, Robert Gernhardt lesend bei seinen Herumbolzereien in Kunstgeschichte und Kunstgegenwart zu begleiten. Noch viel gr\u00f6\u00dfere Freude stellt sich allerdings beim Betrachten seiner komischen Zeichnungen, Illustrationen, Karikaturen und Cartoons ein. Sie werden\u00b4s erleben.<\/h3>\n<h3>Wenn Gernhardt dichtete, wenn er kunsttheoretische Artikel verfasste, wenn er kritische Essays schrieb und wenn er zeichnete, tat er dies allein. Das schien uns immer umso verbl\u00fcffender, weil Bernd Eilert und ich ja \u00fcber Jahrzehnte viele Tage stundenlang mit ihm zusammen waren. Woher hat der Mann die Zeit genommen? Gemeinsam haben wir hunderte von Sketchen, reichlich Radio- und Fernsehserien, B\u00fchnenshows, Fernseh- und Filmdrehb\u00fccher verfasst, wir haben gemeinsam die Satire-Zeitschrift Titanic in die Welt gesetzt und auch f\u00fcr dieses Projekt schreibend und organisierend unendlich viel Zeit investiert.<\/h3>\n<h3>Alle Tendenzen, das unterhaltende Werk Gernhardts, das riesige Konvolut an showb\u00fchnentauglichen komischen Szenen und Sketchen beiseite zu schieben oder gar Vergessen zu machen, sind nat\u00fcrlich zum Scheitern verurteilt. Schon deshalb, weil er selbst von der verschnarchten U- und E-Kunstunterscheidung \u00fcberhaupt nichts hielt.<\/h3>\n<h3>Aber nat\u00fcrlich hat er dar\u00fcber hinaus, davor, danach und zwischendrin noch viel mehr geleistet. Er war unglaublich flei\u00dfig und produktiv. Sein schrifstellerisches, dichterisches und zeichnerisches Werk umfasst gesch\u00e4tzte anderthalb Meter nicht nur in meinem B\u00fccherregal. Nach Auswertung seiner Kladden, der Brunnenhefte, wird auch in Zukunft immer noch dazu kommen.<\/h3>\n<h3>Kurze Abschweifung: In Anlehnung an den in den letzten Monaten recht popul\u00e4ren Roman \u201eMeine geniale Freundin\u201c der Italienerin Elena Ferrante, gestatte ich mir deshalb, meinem kleinen Vortrag heute die \u00dcberschrift \u201eMein genialer Freund\u201c zu geben. In Ferrantes Roman kommt es allerdings im letzten Drittel des 1. Bandes zu einer \u00fcberraschenden Volte. Da nennt n\u00e4mlich die beschriebene Freundin die Ich-Erz\u00e4hlerin ihre \u201egeniale Freundin\u201c. Das Attribut \u201egenial\u201c im Titel gilt also nicht der Freundin, sondern der Erz\u00e4hlenden, wom\u00f6glich Frau Ferrante selber. Diese Variante m\u00f6chte ich f\u00fcr mich hier und heute ausschlie\u00dfen. Genial war <span style=\"text-decoration: underline;\">er<\/span>.<\/h3>\n<h3>An der Entstehung und Ausf\u00fchrung all der witzigen Zeichnungen, Bildgeschichten, Carricaturen und Cartoons dieser Ausstellung war ich nicht beteiligt. Ich war und bin, wie Sie heute, Betrachter, Bestauner, Bewunderer und kann, obwohl ich die meisten Sachen schon kenne, immer noch dar\u00fcber lachen.<\/h3>\n<h3>Eine kleine Einschr\u00e4nkung zu dem vorher gesagten m\u00f6chte ich aber doch machen: Nein, nein, nicht zum Genie. Dabei bleibt&#8217;s. Aber Robert war doch nicht <span style=\"text-decoration: underline;\">immer<\/span> allein, wenn er gezeichnet hat. Es gibt in meiner Erinnerung drei wiederkehrende Situationen, in denen ich dabei war, wenn er zeichnete. Die will ich Ihnen schildern.<\/h3>\n<h3>1. Situation: Nach gemeinsamen Lesungen von gemeinsam verfassten Texten, in diversen kleineren und gr\u00f6\u00dferen S\u00e4len \u00fcberall in Deutschland bestand f\u00fcr die Zuh\u00f6rer am Ende der Veranstaltung immer die M\u00f6glichkeit, sich unsere B\u00fccher signieren zu lassen. Da gab es dann eine ziemlich lange Schlange von Leuten mit Taschen und T\u00fcten voller Gernhardt-B\u00fccher. Und Robert fragte aber auch jeden dieser Menschen, was er denn f\u00fcr ein Lieblingstier habe und zeichnete dann die genannten H\u00fchner, Fr\u00f6sche, Affen, H\u00fcndchen oder Elefanten sehr gekonnt neben seiner Signatur in das jeweilige Buch.\u00a0 Er konnte einfach alles! Aber nat\u00fcrlich zog sich das hin. Wir hatten derlei Fertigkeiten nicht zu bieten, hatten auch deutlich weniger Fans und zu signierende B\u00fccher und bei aller Bewunderung der\u00a0 Gernhardtschen Zeichenk\u00fcnste, hatten wir nach vollbrachter Lesung doch vor allem Hunger und gelegentlich tierischen Durst. Merke: es ist nicht immer vorteilhaft, einen tollen Zeichner zur Seite zu haben. Aber, es kann auch ganz anders kommen:<\/h3>\n<h3>2. Situation. Zum Ausdenken eines der Otto-Filme hielten wir uns f\u00fcr ein paar Wochen in dessen Haus in Florida auf. An einem arbeitsfreien Wochenende zogen Robert und ich dann los in die Everglades. Dieses unter Naturschutz stehende, riesige Mangrovensumpfgebiet bot uns die M\u00f6glichkeit einer kleinen, gemeinsamen Passion nachzugehen: Birdspotting. Dieses Hobby -V\u00f6gel bestimmen- haben weder er noch ich je an eine \u00f6ffentliche Glocke geh\u00e4ngt, aber bei Spazierg\u00e4ngen oder so hie\u00df es immer mal wieder \u201esiehst Du den?\u201c \u201eJa, Turmfalke\u201c, \u201eRichtig. H\u00f6rst Du das?\u201c \u201eElster? \u201eEher Eichelh\u00e4her\u201c &#8211; na und so weiter. In Florida ist das nat\u00fcrlich noch mal eine ganz andere Sache. Da kannten wir die meisten V\u00f6gel ja gar nicht und mussten sie uns also erst mal beschreiben. Und das ging so: In einiger Entfernung l\u00e4uft auf Bl\u00e4ttern am Wasser ein ziemlich bunter Vogel vorbei. Da! Ich rei\u00dfe das Fernglas hoch, Fotoapparat war nicht dabei, Robert nimmt Block und Stift zur Hand und zeichnet schnell den ungef\u00e4hren Umriss des Vogels. \u201eSehr hochbeinig\u201c sage ich, \u201e ca. 30 cm lang. Schnabelspitze gelb, Restschnabel rot, Kopfblesse hellblau,\u201c \u201edas gibt\u2019s doch nicht\u201c sagt er, nicht vom Blatt aufschauend..\u201c Doch\u201c sag ich, \u201eschreib\u00b4s dran. \u201e Hals dunkellila. Fl\u00fcgelansatz gr\u00fcnmetallic, Rest br\u00e4unlich oder auch gr\u00fcn metalic.\u201c\u00a0 Er schreibt weiter die angegebenen Farben mit Pfeilen an des gezeichnete Tier. Das Original ist inzwischen weggerant. \u201eF\u00fc\u00dfe?\u201c \u201eKnallgelb\u201c. \u201eUnter den Fl\u00fcgeln?\u201c Hab ich nicht genau gesehen. Vielleicht wei\u00df. Es hat geblitzt.\u201c<\/h3>\n<h3>Auf diese Weise entstehen also allerlei Skizzen, Notizen und kleine Zeichnungen\u00a0 aus der Vogelwelt Floridas und am Abend schauen wir dann im regionalen Vogelbestimmungsbuch nach, vergleichen, machen H\u00e4kchen, stellen fest, dass wir ca. 50 % der m\u00f6glichen V\u00f6gel gespottet haben &#8211; inclusive dem eben beschriebenen <strong>American purple Gallinule<\/strong>\u2026dem hierzulande unbekannten Zwergsultanshuhn. Und nicht, wie Sie wom\u00f6glich gedacht haben, der Teichralle! Ist es nicht herrlich, einen Zeichner an seiner Seite zu haben?<\/h3>\n<h3>Doch nun zur\u00fcck zur Kunst der komischen Zeichnung und Situation Nr. 3:<\/h3>\n<h3>Robert war 42 Jahre alt, als im Haffmanns-Verlag in Z\u00fcrich in einer limtierten und nummerierten Auflage sein sch\u00f6ner, ja geradezu pr\u00e4chtiger Bildband \u201e<strong>Die Magadaskarreise<\/strong>\u201c erschien. Den Band mit der Nr.4 hat er mir damals geschenkt. Ich habe ihn vor Kurzem nach vielen Jahren erstmals wieder in die Hand genommen und finde &#8211; ich glaub, ich seh nicht recht &#8211; folgende l\u00e4ngst vergessene Widmung: <em>\u201eF\u00fcr Pit, ohne dessen Anwesenheit die meisten der Zeichnungen wohl gar nicht entstanden w\u00e4ren. Robert am 30. 10. 1980\u201c<\/em><\/h3>\n<h3>So. Und wie nun das? Im Nachwort erkl\u00e4rt er es selber.<\/h3>\n<h3><em>\u201eDie Zeichnungen zeichnete ich w\u00e4hrend der letzten Jahre und ich zeichnete sie stets in Gesellschaft. Meist, wenn ich mit den Freunden \u00fcber Radiotexte nachdachte&#8230; Ich zeichnete nicht aus Langeweile, nicht weil meine Gedanken woanders waren, als beim gerade anstehenden Thema, im Gegenteil. Die Gedanken waren voll und ganz beim Thema, die Hand glitt \u00fcber das Papier und bewegte sich selbstst\u00e4ndig fort.\u201c<\/em><\/h3>\n<h3>Ein unbewusstes Gekritzel also, wie er es selber nennt, ziemlich suggestive, fast traumhafte Zeichnungen, wie ich sie nenne.<\/h3>\n<h3><em>\u201eImmer schon\u201c<\/em> schreibt Gernhardt in seinem Nachwort weiter, <em>\u201ewollte ich ein Abenteuerbuch schreiben. Und irgendwann kam mir der Gedanke, meine Zeichnungen k\u00f6nnten ja auch als Reiseskizzen gesehen werden\u2026 Wenn es schon nicht m\u00f6glich ist, wirklich nach Madagaskar zu reisen, zu einer Reise nach <strong>Magadaskar<\/strong> reicht es gerade noch.<\/em><\/h3>\n<h3><em>Ich habe daher ausgesuchte Zeichnungen in einen Zusammenhang gebracht, indem ich ein, zwei S\u00e4tze hinzuf\u00fcgte. Sie haben nicht viel zu bedeuten, wie ja auch die Zeichnungen anders aussehen k\u00f6nnten.\u201c<\/em><\/h3>\n<h3>Entstanden ist aus dem Ganzen dann das l\u00e4ngst vergriffene Buch \u201eDie Magadaskar-Reise\u201c. Sie haben Gelegenheit, sich einige der darin enthaltenen Bl\u00e4tter in dieser Ausstellung anzuschauen. Ich aber darf sagen: Ich bin dabei gewesen. Und habe es schriftlich.<\/h3>\n<h3>Zum Thema \u201eDabei-Sein\u201c noch ein kleiner Hinweis: Die verdienstvolle Kuratorin dieser Ausstellung Lea Williman hat Bernd Eilert und mich zum Entstehen und Wirken des Autorenteams GEK &#8211; Gernhardt, Eilert, Knorr &#8211; interviewt. Das Interview wurde per Video aufgezeichnet und wen das interessiert, der kann es sich im 1. Stock des Museums anschauen.<\/h3>\n<h3>Aber zur\u00fcck zu ihm: Nat\u00fcrlich ist das Zeichnen von Tieren, oder unbewusstes Kritzeln nichts, was nicht auch andere Zeichner leisten k\u00f6nnten. Doch das vors\u00e4tzlich komische Zeichnen ist nur wenigen gegeben. Robert Gernhardt war einer von ihnen. Und er wusste die Freunde und Kollegen in dieser Kunst sehr wohl zu sch\u00e4tzen und zu w\u00fcrdigen. Aufs\u00e4tze, Vorworte, Laudatien zu Hans Traxler, F.K.Waechter, Robert Crumb, Bernd Pfarr, Loriot, Kurt Halbritter, Volker Kriegel, Bernd Pfarr, Chlodwig Poth, Michael Sowa und nat\u00fcrlich die erhellenden Briefwechsel mit seinem Freund F.W. Bernstein sind sch\u00f6ne, lesenswerte Belege daf\u00fcr.<\/h3>\n<h3>Und bei seiner \u00e4u\u00dferst pfiffigen W\u00fcrdigung von Wilhelm Busch, die er unter dem Titel \u201eEiskalte Pointen\u201c f\u00fcr den SPIEGEL verfasst hat, da\u00a0 \u00fcbertrifft er sich selbst und kommt zum Punkt, zum komischen. Zitat:<\/h3>\n<h3><em>\u201eMachen wir es kurz: Ich m\u00f6chte eine These auf- und zur Diskussion stellen. Ich behaupte, dass auf allen Wegen der modernen Kunst, sei es dem der Innovation, Expression oder Abstraktion, Karikaturisten stets f\u00fchrend, ja wegweisend vorangeschritten sind. <span style=\"text-decoration: underline;\">Ihre <\/span>Namen, nicht die vorgeblicher Avantgardisten, m\u00fcssten die Kunstgeschichten r\u00fchmen. Dass sie es nicht tun, liegt im Desinteresse der Kunstgeschichtler.\u201c <\/em><\/h3>\n<h3>Und Gernhardt zeigt anhand von Bildbeispielen im Brustton der schlauen Entdecker-\u00dcberzeugung, wie Busch, der komische Zeichner, sp\u00e4tere Kunststilrichtungen vorweggenommen hat: den Jugendstil, den Pointilismus, den Expressionismus, den Kubismus, den Futurismus und so fortan \u00fcber mehrere Stationen bis zur Popart und dem Konstruktivismus. So w\u00fcrdigt der Kenner den K\u00f6nner. Und er verteidigt ihn vehement gegen alle Interpreten, die hinter der Komik unbedingt noch etwas anderes sehen wollen:\u00a0 tiefere Bedeutung, Hinter-Vorder- und Nebensinn. <em>\u201eIch begreife nicht, \u201e<\/em> sagt er <em>\u201ewieso pessimistische Hintergr\u00fcnde den Humor eines Humoristen besonders wertvoll machen sollten.\u201c<\/em><\/h3>\n<h3>Nein. Komik ist ein Genre. Es will Lust erzeugen, n\u00e4mlich lachen machen. Sonst gar nix. Und das ist ja wahrlich genug, wenn&#8217;s gelingt. Das Lachen soll eben nicht im Hals stecken bleiben, denn da geh\u00f6rt es nicht hin. Es soll raus. Das war seine Meinung, das hat er praktiziert, mit all der daf\u00fcr erforderlichen Frechheit, Bosheit und handwerklichen K\u00f6nnerschaft.<\/h3>\n<h3>Gewiss, er hat in seinen sp\u00e4ten Gedichten ernste T\u00f6ne angeschlagen, von sich selbst gesprochen und von seinen Gef\u00fchlen. Aber das ist ein anderes Kapitel.<\/h3>\n<h3>Im Sommer 2006 ist R.G. nach langer Krankheit gestorben. Das war f\u00fcr a l l e, die ihm nahestanden, eine sehr traurige Zeit. Aber er ist unvergessen und wird es lange bleiben, denn er hat viel hinterlassen. Und genau das hat er gewollt und hat es betrieben. Es sollte etwas bleiben. Und es blieben viele Texte, vor allem, wie ich finde seine Gedichte &#8211; und eben auch die komischen Zeichnungen, die Sie nun in dieser gro\u00dfen Ausstellung zu sehen bekommen. Ich kann Ihnen versprechen: Es gibt viel zu lachen. Und es gibt vielleicht auch etwas zum Mitnehmen, zum Weitererz\u00e4hlen oder sich merken. Zum Beispiel diesen kleinen Zweizeiler zum ber\u00fchmten und zumal in G\u00f6ttingen hochumstrittenen Kragenb\u00e4ren, der dort einmal ein Denkmal werden sollte. Er lautet: \u201eDer Kragenb\u00e4r, der holt sich munter einen nach dem andern runter.\u201c<\/h3>\n<h3>Au\u00dferdem h\u00e4tte ich zum Merken f\u00fcr Sie und eventuell auch Ihre Kinder noch einen g\u00e4nzlich unumstrittenen 2-Bilder-Scherz von G. der in dieser Ausstellung nicht vertreten ist. Bitte achten Sie auf meine H\u00e4nde:<\/h3>\n<h3>1. Bild: \u201eDieser Strich ist ohne Makel \u2026<\/h3>\n<h3>2. Bild: Doch er endet im Gekrakel.\u201c<\/h3>\n<h3>Zum Schluss noch eine Frage: Mein genialer Freund hat sie gestellt und selbstverst\u00e4ndlich auch beantwortet:<\/h3>\n<p><b><\/p>\n<h3>Was ist Kunst<\/h3>\n<p><b><\/p>\n<h3>Hab&#8217;n Sie was mit Kunst am Hut?<br \/>\nGut.<br \/>\nDenn ich m\u00f6chte Ihnen allen<br \/>\netwas auf den Wecker fallen.<br \/>\nKunst ist was?<br \/>\nDas:<br \/>\nKunst, das meint vor allen Dingen<br \/>\nandren Menschen Freude bringen<br \/>\nund aus vollen Sch\u00f6pferh\u00e4nden<br \/>\nSpa\u00df bereiten, Frohsinn spenden,<br \/>\ndenn die Kunst ist eins und zwar<br \/>\nheiter. Und sonst gar nichts. Klar?<br \/>\nOb das klar ist? Sie ist heiter!<br \/>\nHeiter und sonst gar nichts weiter!<br \/>\nHeiter ist sie! Wird es bald?<br \/>\nHeiter! Hab&#8217;n Sie das geschnallt?<br \/>\nJa? Dann folgt das Res\u00fcmee;<br \/>\nBitte sehr:<br \/>\nObenstehendes ist zwar<br \/>\nalles L\u00fcge, gar nicht wahr,<br \/>\nund ich meinte es auch blo\u00df<br \/>\nirgendwie als Denkansto\u00df &#8211;<br \/>\naber wenn es jemand glaubt:<br \/>\nist erlaubt.<br \/>\nMag ja sein, dass wer das mag.<br \/>\nGuten Tag.<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede zur Er\u00f6ffnung der Ausstellung komischer Zeichnungen von Robert Gernhardt Am 14. Dezember 2017 im Caricatura-Museum Frankfurt Poeten, die nicht zeichnen k\u00f6nnen, sollten&#8217;s besser lassen. Das gilt f\u00fcr G\u00fcnter Kunerten, das gilt f\u00fcr G\u00fcnter Grassen. Das gilt f\u00fcr all die Kritzelnden, die zagen wie die forschen, f\u00fcr Friederiken Mayr\u00f6ckern als auch f\u00fcr Gerald Zschorschen. 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